
Dem starken Verkehr ausweichend erreichen wir über Ried (am Bach entlang bergauf) und ab dort auf einem Wiesen- und Waldweg den Olanger Stausee. Der Radweg wäre zwar kürzer, ist aber asphaltiert und außerdem sehr befahren.
Die Gemeinden Ober-, Mitter- und Niederolang liegen wie aufgefädelt hintereinander, wir durchqueren sie problemlos, nicht aber ohne dem vermutlich von Michael Pacher stammenden schönen Altarbild der Ägidi-Kirche von Mitterolang einen Besuch abzustatten. Für gewöhnlich ist eine Jakobskirche alleine noch kein Hinweis auf einen Pilgerweg. Wenn wir sie aber praktisch in der Distanz eines Tagesmarsches voneinander auf einem alten, wichtigen Verkehrsweg antreffen, wie in unserem Fall, liegt der Schluss nahe und es ist auch legitim, dass wir auf den Spuren der Jakobspilger wandern.
Mit der Jakobskirche von Nasen, die wir nach Niederolang ansteuern, besuchen wir nach Strassen in Osttirol schon das dritte Gotteshaus, das dem Pilgerpatron geweiht ist. Mit derjenigen von Dietenheim, noch vor Bruneck, wären es sogar vier, wenn diese für Fußgänger nicht doch etwas abseits läge. Auf der südlichen Außenwand der gotischen Nasener Jakobskirche (15. Jh.) sehen wir schon von weitem ein besonders schönes Werk des Simon von Taisten, nämlich den hl. Christopherus, in einem Meer stehend und von Fabelwesen umgeben. Im Inneren erkennen wir den Pilgerapostel sowohl auf dem Altarbild, als auch auf einem Schlussstein im Langhaus.
Eine Variante auf dem Weg nach Nasen, für Pilger, deren Rucksack nicht zu schwer ist und die keine Angst vor zusätzlichen 150 Höhenmetern haben (obwohl wir talauswärts gehen!), oder für diejenigen, die einfach die Kleinode des Pustertals voll auskosten wollen, führt uns nach Taisten, in die Heimat des dritten großen aber weniger berühmten Pustertaler Künstlers. In der Georgskirche entdecken wir die wunderschönen Fresken von Simon von Taisten (und von Leonhard von Brixen). Auch die Fresken in der gotischen Jakobskapelle (der zweiten nach Strassen in Osttirol) im Friedhof wurden von Simon von Taisten gestaltet.
Der Weg 21 führt uns weiter bergauf über den Unterrainer Berg bis auf fast 1400 m Seehöhe und dann bergab nach Niederrasen am Eingang des Antholzer Tals. Von dort erreichen wir talauswärts Neunhäusern an der Pustertaler Straße und stoßen etwa 500 m später wieder auf den Jakobsweg, auf dem wir nach Nasen gelangen. Von dort queren wir zurück auf die südliche Talseite und kommen über den wunderschönen Wanderweg 3 A – nur kurz müssen wir den asphaltierten Radweg benützen – zur Lamprechtsburg bei Bruneck, von der uns ein Naturlehrpfad durch die wildromantische Schlucht der Rienz fast bis ins Zentrum der Altstadt von Bruneck bringt. Der Geburtsort des großen Michael Pacher war im 13. Jh. vom mächtigen Bischof Bruno von Brixen gegründet worden, um den schon damals starken Verkehr durch das Pustertal zu kontrollieren. Die reizvolle Altstadt, die am Fuße des Schlossberges entstand und zusammen mit diesem eine imposante Festungsanlage ergab – die alle noch erhaltenen vier Stadttore vermitteln auch heute diesen Eindruck – ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir sollten sie jedoch nicht verlassen, ohne dem Geburtshaus von Michael Pacher sowie dem Gasthaus Lamm unsere Ehre erwiesen zu haben. Ein ganzer Raum des Gasthauses ist mit Bildern und Skizzen der beiden großen Osttiroler Maler Franz von Defregger und Albin Egger-Lienz behängt – absolut sehenswert!
Gehzeiten:
Welsberg - Niederolang: 2 Std.
Niederolang - Bruneck: 2 ¾ Std.
Weglänge:
19,3 km
Höhenunterschied:
Aufstieg: 338 m
Abstieg: 585 m
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